Tomislav Nikolić hat die Präsidentschaftswahl in Serbien gewonnen. Entgegen aller Prognosen setzte sich der 60-jährige knapp gegen den vorherigen Amtsinhaber Boris Tadić durch. Nikolić gehört der Serbischen Fortschrittspartei an, eine gemäßigte Abspaltung der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei des mutmaßlichen Kriegsverbrechers und in Den Haag inhaftierten Vojislav Šešelj. Amtsinhaber Boris Tadić gehört zur Demokratischen Partei und hatte vor der Abstimmung auch Unterstützung von der EU bekommen. So rief EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Serben in einem Video zur Wahl von Tadić auf, der für die Zukunft Serbiens stehe.
Entgegen westlicher Befürchtungen wird es unter Nikolić aber zu keinem radikalen Politikwechsel kommen. Auch er hat angekündigt, die EU-Integration seines Landes fortzusetzen. Ein komplettes Nachgeben in der Kosovo-Frage wäre auch von Tadić nicht erwarten zu gewesen. Mit den extremen Nationalisten hat sich Nikolić überworfen. Er kann es sich als seinen Verdienst anrechnen, dass die Radikale Partei bei der Wahl vor zwei Wochen aus dem Parlament geflogen ist.
Das Wahlergebnis könnte aber Folgen für die Regierungsbildung haben. Denn die Partei von Tadić regierte in Serbien die letzten Jahre mit Hilfe der früheren Milosevic-Partei SPS. Die gewandelten Sozialisten gingen aus der Parlamentswahl vor zwei Wochen deutlich gestärkt hervor. Mit ihrem populären Innenminister Ivica Dačić könnte die SPS nach dem heutigen Tag eine Schlüsselstellung bei der Regierungsbildung bekommen.
Das Ergebnis der Präsidentenwahl kam bei schwacher Wahlbeteiligung zustande. Weniger als die Hälfte der Serben stimmten ab. Dies zeigt, wie unzufrieden die Bevölkerung mit ihren Politikern ist und der katastrophalen Lage der Wirtschaft ist.

