Im vierten Kriegsjahr 1995 nahm der militärische Druck der bosnisch-serbischen Truppen auf die von der Zentralregierung in Sarajevo gehaltenen ostbosnischen Enklaven immer weiter zu. Es handelte sich um Goražde, Žepa und Srebrenica. Diese teilweise nur einige dutzend Quadratkilometer großen Gebiete standen unter offiziellem Schutz der Vereinten Nationen und wurden von Blauhelmsoldaten überwacht.  In den Jahren zuvor hatte es in der Region schwere Kämpfe gegeben. Dabei handelte es sich keineswegs nur um Offensivaktionen der Armee der Republika Srpska und mit ihr verbündeter serbischer Milizen. Auch Truppen der bosnisch-muslimischen Regierung in Sarajevo hatten serbische Gebiete angegriffen und dort immer wieder Zivilisten ermordet. Verantwortlich dafür zeichnete der Armee-Kommandeur von Srebrenica, Naser Orić.

Im Juli zogen die serbischen Truppen den Belagerungsring um Srebrenica immer enger und feuerten mit schwerer Artillerie auf die Stadt. Die Lage für die muslimische Bevölkerung wurde immer katastrophaler, die Front stand am 9. Juli vor dem Zusammenbruch. Tausende Zivilisten flüchteten nach Potočari einige Kilometer nördlich von Srebrenica auf das Gelände der niederländischen UN-Blauhelmsoldaten, um dort Schutz zu suchen. Die Versorgungslage war katastrophal, die UN-Soldaten überfordert und passiv.

Karte der Militäroperationen rund um Srebrenica im Juli 1995

Am 11. Juli fiel Srebrenica. Um der Kapitulation zu entkommen, versuchten am gleichen Tag einige tausend bosnisch-muslimische Soldaten aus dem Belagerungsring gen Westen zu entkommen. Auf ihrer Flucht über serbisch kontrolliertes Gebiet durch die Wälder wurden sie von tausenden Zivilisten Srebrenicas begleitet. Nur ein Teil der Kolonne kam nach tagelangem Marsch und unter serbischem Feuer schließlich in Gebieten an, die von der bosnisch-muslimischen Zentralregierung gehalten wurden.

Als die Armee der bosnischen Serben unter General Ratko Mladić am 12. Juli 1995 nach der Einnahme von Srebrenica auch in Potočari einrückte, kam es dort zu Vergewaltigungen. Die Blauhelmsoldaten ließen es auch zu, dass Männer von Frauen und Kindern getrennt wurden. Man verließ sich auf die Beteuerungen Mladićs, niemandem werde etwas passieren. Doch während hauptsächlich Frauen und Kinder später in Bussen in muslimisch-kontrolliertes Gebiet abgeschoben wurden, gab es für viele Männer, neben Soldaten auch Jugendliche und einige Alte, kein Überleben. Nach ihrer Gefangennahme wurden sie in der Umgebung Srebrenicas zu Tausenden erschossen und in Massengräbern verscharrt. Die genaue Zahl ist bis heute nicht ermittelt, dürfte aber ungefähr bei 7.000 bis 8.000 liegen. Damit gilt das Massaker von Srebrenica als das schlimmste in der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Verantwortlich für dieses Kriegsverbrechen war die Armeeführung der Republika Srpska, allerdings haben sich an den Exekutionen auch Milizionäre aus dem benachbarten Serbien beteiligt, die in Bosnien als Söldner kämpften. Nach dem Massaker von Srebrenica gab es viele Monate nur Vermutungen über das Verbleiben der Gefangenen. Das brutale Vorgehen der serbischen Truppen, die wenig später auch die kleinere ostbosnische Schutzzone Žepa eroberten, führte allerdings zu einer noch radikaleren antiserbischen Parteiname des Westens. Nur wenige Wochen später bekamen die Serben in Kroatien die Quittung: Mit der Militäroffensive „Oluja“ eroberte die kroatische Armee die serbische Krajina-Republik und es setzte dort eine riesige Flüchtlingswelle ein. Der Westen schaute dabei zu. Dazu mehr demnächst im Teil 3.

VIDEO: Ausschnitt aus einem BBC-Film über die Ereignisse rund um das Massaker von Srebrenica

VIDEO: Mladićs Armee rückt im UN-Camp Potočari ein und trinkt mit dem niederländischen Kommandeur – Ausschnitt aus einem BBC-Film

VIDEO: Wenige Tage nach dem Massaker feiern niederländische Blauhelme zusammen mit den bosnischen Serben ihren Abzug aus dem eroberten Srebrenica- Ausschnitt aus einem BBC-Film

VIDEO: Die bosnisch-serbische Armee vor der Einnahme von Srebrenica, muslimische Flüchtlinge in Srebrenica  (mit Original-Aufnahmen des bosnisch-serbischen TV – bosnisch-muslimische Quelle)

VIDEO: General Mladić und bosnisch-serbische Truppen nach der Einnahme von Srebrenica (bosnisch-muslimische Quelle)

VIDEO: Mladić und die bosnisch-serbische Armee organisieren den Abtransport der Muslime in Potočari. Die UN schauen zu (serbisches TV-Material, bosnisch-muslimische Quelle)

VIDEO: Reste der bosnisch-muslimischen Armee und sie begleitende Zivilisten erreichen nach tagelangem Marsch durch Feindesland von ihrer Regierung gehaltenes Gebiet (bosnisch-muslimische Quelle)


Der Streit um die Zukunft der überwiegend serbisch besiedelten Gebiete im Norden des Kosovo droht zu eskalieren.  Immer wieder kommt es vor allem im Norden von Kosovska Mitrovica zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern. Die von Albanern dominierte Regierung des Kosovo versucht derzeit, dieses Gebiet unter Kontrolle zu bringen, bislang haben dort die Vereinten Nationen und die EU das Sagen. 

Karte des Kosovo, im Norden die serbisch dominierten Gebiete, die bislang unter internationaler Kontrolle sind

Die  Kosovo-Regierung will im Norden nun verschiedene ihr ergebene Behörden installieren. Zur Sicherheit sollen in das serbisch dominierte Gebiet Sondereinheiten verlegt werden. Die serbische Regierung, die die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo bis heute nicht akzeptiert hat, wirft der Kosovo-Führung „eine offene Kriegsdrohung“ vor. Die Regierung in Priština sei verantwortlich für die katastrophalen Folgen dieser Drohung, sagte Serbiens Präsident Tadić.

Unterdessen berichtet die serbische Zeitung „Blic“ von einem neuen Vorschlag, den Kosovo-Konflikt friedlich beizulegen. Demnach soll der Norden Kosovos mit seiner serbischen Bevölkerungsmehrheit Serbien angegliedert werden. Im Gegenzug will Belgrad dem Kosovo Teile des Preševo-Tals überlassen, das im Süden Serbiens an der Ostgrenze zu Kosovo liegt. Dort stellen die Albaner mit 80 Prozent die Mehrheit.

Falko Wittig
 


Die Bürgerkriege in Bosnien-Herzegowina und Kroatien gehen zu Ende. Vorher gibt es aber noch Massenvertreibungen, hunderttausende Flüchtlinge und das bis dahin schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Srebrenica.

Anfang Mai 1995: Die kroatische Armee greift in der Operation „Bljesak“ (Flash) die seit 1991 von der kroatischen Serbenrepublik kontrollierten Gebiete in Westslawonien an. Nach wenigen Tagen haben die Kroaten das Gebiet unter Kontrolle, wozu auch die strategisch wichtige Autobahn von Zagreb nach Belgrad gehört.

kroatisches Propaganda-Video von der Offensive

serbisches Propaganda-Video von der Offensive

Karte der kroatischen Militäroperation "Bljesak" 1995

es folgt: Das Srebrenica-Massaker


In der geteilten Stadt Kosovo Mitrovica haben mutmaßliche albanische Extremisten in eine Menge demonstrierender Serben geworfen. Es war nicht der erste Übergriff in den vergangenen Wochen.

Zu den Artikeln:

Ein-Toter-bei-Explosion-in-Mitrovica

Doctor killed, 11 Serbs hurt in Kosovo blast

Vier-serbische-Motorradfahrer-durch-Steinwuerfe-verletzt


Während in Den Haag dem früheren Republika Srpska-Präsidenten Radovan Karadžić der Prozess gemacht und er sich mit serbischen Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg 1992 bis 1995 konfrontiert sieht, muss sich dieser Tage auch ein muslimischer Politiker seiner Rolle im damaligen Bürgerkrieg stellen. In London wurde am 1. März der frühere Vizechef des Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, Ejup Ganić festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Von Falko Wittig


Grund für die Aktion ist ein serbischer Haftbefehl – Ganić wird die Verantwortung für Kriegsverbrechen der muslimisch dominierten bosnischen Regierungstruppen zur Last gelegt.  Konkret geht es um ein Massaker an Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) am 3. Mai 1992 in Sarajevo. Die jugoslawische Armee hatte vorher aus Belgrad den Rückzugsbefehl bekommen, nachdem sich wenige Tage zuvor Rest-Jugoslawien mit Serbien und Montenegro neugegründet hatte – ohne Bosnien und Herzegowina.

Die Festnahme Ganićs bietet eine gute Gelegenheit zu thematisieren, welche Rolle die muslimisch dominierten Regierungstruppen während des dreieinhalb Jahre andauernden Bosnien-Krieges gespielt haben.  Mit Kriegsverbrechen werden vor allem serbische Armee-Einheiten assoziiert, im geringeren Umfang auch kroatische. Dass aber auch bosnisch-muslimische Truppen sich im Bosnien-Krieg schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben, wird in der Öffentlichkeit kaum diskutiert.

Möglicherweise zu Unrecht, um den Bürgerkrieg mit seinen rund 100.000 Todesopfern in seiner ganzen Komplexität zu verstehen. Denn das Verhalten der bosnisch-muslimischen Regierungstruppen und ihnen zuzuordnender Milizen im Mai 1992, einen Monat nach Beginn des Bosnien-Krieges, dürfte maßgeblich zur Radikalisierung und damit Brutalisierung der Auseinandersetzung  beigetragen haben.

Wie schon zuvor in Slowenien und Kroatien wurden auch in Bosnien von den Separatisten kasernierte Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee attackiert und massakriert. Besonders verwerflich dürften die Übergriffe am 3. Mai in Sarajevo und am 15. Mai in Tuzla gewesen sein.

Am 3. Mai 1992 war unter internationaler Vermittlung der Abzug jugoslawischer Soldaten aus ihrer eingeschlossenen Kaserne im Zentrum Sarajevos vereinbart worden. Die Situation war vorher eskaliert: Die jugoslawischen Verbände hatten den Präsidenten von Bosnien-Herzegowina, Alija Izetbegović, gefangengenommen, als Faustpfand für ihren freien Abzug. Die bosnische Präsidentschaft, darunter Ejup Ganić, stimmte daraufhin dem  friedlichen Abzug der jugoslawischen Soldaten zu. Da die Kaserne ein Hauptquartier der Jugoslawischen Volksarmee war, waren unter den zu evakuierenden Soldaten viele Offiziere. Während die Kolonne die Stadt in Richtung Flughafen Lukavica verließ, griffen bosnische Regierungstruppen an. Im Zusammenhang mit der Attacke wurden nach serbischen Untersuchungsberichten über 30 jugoslawische Soldaten getötet. Etwa 170 Armeeangehörige wurden gefangenengenommen und von bosnischen Regierungstruppen teilweise anschließend gefoltert.

Bericht über das Massaker vom 3. Mai 1992 im bosnisch-serbischen Fernsehen RTRS (serbisch)

Bericht über die Ereignisse vom 3. Mai in Sarajevo nach der Festsetzung von Izetbegović (englisch)

Am 15. Mai 1992 kam es zum Massaker an jugoslawischen Soldaten in Tuzla. Muslimische Milizen griffen die Kolonne an, die wie vereinbart von ihrer Tuzlaer Kaserne aus Richtung Rest-Jugoslawien abzog. Ein Großteil der Kolonne, zu der auch einige Zivilisten gehörten, erreichte ihr Ziel nicht. An einer von zahlreichen Hochhäusern umgebenen Kreuzung nahmen die Milizen die nur schwach bewaffneten jugoslawischen Soldaten unter Feuer, zahlreiche Armeeautos gingen in Brand auf. Unter den 80 Toten waren nach serbischen Berichten viele junge Rekruten. Auch einige zurückgebliebene Verwundete sollen von bosnisch-muslimischen Milizen getötet worden sein.

Original-Videoaufnahmen Stunden vor dem Massaker von Tuzla, erster Abzugsversuch der JNA, gestoppt von bosnischen Regierungstruppen

Original-Videoaufnahmen von dem Massaker in Tuzla

Bericht über das Tuzla-Massaker im kroatischen Fernsehen (kroatisch)

Bericht mit Aussagen von Überlebenden in der bosnisch-serbischen Zeitschrift „Reporter) (englisch)

Zu Recht wird viel über das serbische Kriegsverbrechen von Srebrenica geschrieben. Doch wer den Bosnien-Krieg ernsthaft aufarbeiten will, sollte auch die teils alles andere als ruhmreiche Rolle der bosnischen Regierungstruppen nicht ignorieren. Der Kriegspräsident Alija Izetbegović ist tot und nicht mehr zu belangen. Für Ejup Ganić, der noch Jahre nach Kriegsende als Präsident der bosnisch-kroatischen Föderation weiterhin politische Verantwortug trug, könnte nun die Zeit gekommen sein, wo er sich seiner Mitverantwortung für Kriegsverbrechen vor Gericht stellen muss.

Artikel zur Ganić-Festnahme in „Die Presse“


Für die einen ist es ein besetzter Teil einer südserbischen Provinz. Für die anderen unkontrollierter Teil des eigenes Staates. Die EU steht hilflos und machtlos dazwischen. Im serbisch dominierten Norden des Kosovo hat sich das Leben verselbständigt. Zwei Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der von ethnischen Albanern beherrschten Kosovo-Regierung herrscht dort mehr oder weniger Anarchie. Adelheid Wölfl hat darüber jetzt einen bemerkenswerten Artikel in der österreichischen Zeitung „Der Standard“ geschrieben.

zum Artikel


In Nordbosnien haben hunderte Polizisten jetzt dem Treiben islamischer Extremisten ein Ende gemacht. In dem Dorf Gorna Maoča in der Nähe von Brčko hatten aus Saudi-Arabien stammende Männer eine Parallelgesellschaft auf der Basis der Scharia errichtet. In den vergangenen  Jahren waren sie dabei von den Behörden unbehelligt geblieben. Bosnischen Medienberichten zufolge hatte sich aber in jüngster Zeit das Verhältnis zu Bewohnern der Nachbarorte verschärft, in denen gemäßigte Muslime wohnen. Die Islamisten forderten demnach die umliegenden Bauern auf, eine Sicherheitszone von 500 Metern um das Dorf zu respektieren. Jäger, die sich dem Dorf näherten, seien beschossen worden. Die Kinder der Islamisten durften nicht mehr die öffentliche Schule besuchen.

Bei der Razzia wurden zahlreiche illegale Waffen gefunden und mehrere Extremisten festgenommen. Tausende radikalislamische Kämpfer waren während des Bosnien-Krieges bis 1995 von den  muslimisch-dominierten Regierungstruppen ins Land geholt worden, um gegen Serben und Kroaten zu kämpfen. Hunderte wurden wegen ihrer Propagierung eines radikalen Islams später des Landes verwiesen, eine größere Zahl blieb aber durch Heirat mit bosnischen Frauen im Land und nahm die Staatsbürgerschaft an.

Die Razzia gegen die Islamisten war eine der größten seit Ende des Bosnien-Krieges.

TV-Bericht zu der Razzia bei „B 92″ (serbisch)
Zeitungsbericht bei „Die Presse“

Schon 2002 berichtete „Die Zeit“darüber, wie arabische Islamisten versuchen, die muslimische Bevölkerung Bosniens zu radikalisieren.

2003 folgte ein Bericht im Magazin „Der Spiegel“.

2004 erschien ein Spiegel-Bericht, der die Zusammenarbeit bosnischer Islamisten mit internationalen Terroristen beleuchtet.

Wolf Oschlies schreibt im „Eurasischen Magazin“ 2006 über den gemäßigten Islam in Bosnien und Herzegowina.


9.10.1912: Montenegro erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg. Der 1. Balkankrieg beginnt.


28.08.1910: Fürst Nikola erhebt Montenegro zum Königreich

Neue Freie Presse, Wien, am 29.08.1910


Die Bürger Serbiens, Mazedoniens und Montenegros dürfen ab Mitte Dezember visafrei in die Europäische Union einreisen. Profitieren werden davon auch viele Serben in Bosnien-Herzegowina, die neben der bosnischen auch die serbische Staatsbürgerschaft besitzen. Die bosnischen Kroaten konnten schon vorher visafrei in die EU reisen. Visumzwang gilt weiterhin für Bosnier ohne serbische oder kroatische Staatsbürgerschaft sowie für Einwohner des Kosovo und von Albanien.Foto: Falko Wittig / Balkan Blick

Und so sind die aktuellen Einreisebestimmungen für Deutsche, die ins ehemalige Jugoslawien fahren wollen:

Slowenien: freie Einreise, EU- und Schengen-Mitglied, bis 90 Tage ohne Aufenthaltserlaubnis

Kroatien: Einreise mit Personalausweis oder Reisepass, 90 Tage visafrei

Bosnien-Herzegowina: Einreise mit Personalausweis oder Reisepass

Serbien (ohne Kosovo): Einreise mit Reisepass, 90 Tage visafrei

Montenegro: Einreise mit Reisepass, Personalausweis in Ausnahmefällen, 90 Tage visafrei

Kosovo: Einreise mit Reisepass, 90 Tage visafrei

Mazedonien: Einreise mit Reisepass oder Personalausweis